Kasachstan? Mosambik? Osttimor! Heute lesen, was morgen im EA steht

Mit dem Master in Gesundheitswissenschaften und Technologie in der Tasche reist die 27-jährige Junia Landtwing nach Osttimor.

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Mit dem Master in Gesundheitswissenschaften und Technologie in der Tasche reist die 27-jährige Junia Landtwing nach Osttimor. Dort wartet eine Arbeit an der Schnittstelle von Bildung und Gesundheit auf sie.

Victor Kälin
«Als ich mich im August 2022 bewarb, dachte ich schon: Das ist wahnsinnig weit weg.» Junia Landtwing täuschte sich nicht: Tatsächlich reist man fast ans Ende der Welt, wenn man Osttimor besuchen will. 12’794 Kilometer sind es offiziell von der Schweiz aus. Doch genau dahin zieht es die 27-jährige Einsiedlerin: Am Mittwoch, 15. März, fliegt sie nach Dili, der Hauptstadt Osttimors, wo sie zwei Tage später ankommen wird. Dort bleibt sie für ein Jahr, ehe im März 2024 ihr Mandat als «Human Development Analyst» ausläuft.
Neben Osttimor interessiert sich Landtwing auch noch für Mosambik und Kasachstan. Letztlich verpflichtete sie sich aufgrund des Stellenprofils für das Land im Südosten Asiens. Bei Online-Besprechungen spürte sie zudem, «dass die Stimmung im Team vor Ort wirklich gut ist. Man kennt sich nicht nur beruflich, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene». Das war für sie entscheidend. Und dann liebt die Einsiedlerin auch noch das Wasser. Dili als Küstenstadt konnte da zusätzlich punkten.

Schwerpunkt Schule
Bei einem internationalen Engagement ist die Berufsbezeichnung natürlich Englisch. Als «Human Development Analyst» wird Junia Landtwing in Osttimor tätig sein, als «Analytikerin der menschlichen Entwicklung», wie sich die offizielle Bezeichnung etwas holprig übersetzen lässt. Es ist eine Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Bildung und Gesundheit. Konkret geht es um die Qualität von Lehrpersonen und schulischem Unterricht. Im Zentrum steht die Frage, weshalb so viele Schüler und Schülerinnen die offizielle Schule vorzeitig abbrechen – mit all den negativen Folgen für deren Berufsbildung und Zukunft.
Das Büro in Dili ist international zusammengesetzt und zählt 28 Mitarbeitende; der Chef zum Beispiel ist Engländer. Von Dili aus werden die Aktivitäten für ganz Osttimor koordiniert. «Ich werde im Büro arbeiten und draussen», weiss Junia Landtwing. «Und ich werde mit Expats und Einheimischen im Austausch sein.»

Entwicklung und Aufbau
Die Einsiedlerin reist als Mitarbeiterin der Weltbank, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN), nach Südostasien. Die Weltbank koordiniert und finanziert langfristige Entwicklungs- und Aufbauprojekte. Sie ist auch in Osttimor aktiv. Zugute kam Junia Landtwing, dass die Schweiz über die UN sogenannte «Einsteigerstellen» finanziert, welche auf ein Jahr befristet sind. Nach einem längeren Bewerbungsprozess erhielt sie den Zuschlag. Den Ausschlag für das Engagement bei der Weltbank gaben ihre früheren Kontakte im Rahmen der universitären Ausbildung: «Während eines Praktikums hatte ich mit der Weltbank zusammengearbeitet. Jetzt möchte ich die Organisation von innen heraus kennenlernen», erklärt Junia Landtwing.

Stelle in Basel gekündigt
Damit Osttimor möglich wurde, musste sie ihre Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) Basel per Ende Februar 2023 kündigen. Dort war sie Teil einer Forschungsgruppe, welche sich mit Gesundheits-
verträglichkeitsprüfungen für die lokale Bevölkerung bei grossen Infrastrukturprojekten im globalen Süden beschäftigt. Konkret geht es dabei um neue Staudämme, Rohstoffabbau, Strassenerschliessungen, Zuckerplantagen oder auch Agrikulturen. Am Tropeninstitut hat Junia Landtwing auch ihre Abschlussarbeit geschrieben.
Mit Erfolg: Seit dem Frühjahr 2022 hat sie den ETH-Master in Gesundheitswissenschaften und Technologie in der Tasche. Dabei spezialisierte sie sich über die Immunologie in Richtung globale Gesundheit. «Bildung und Gesundheit», so Junia Landtwing, «finde ich absolut notwendig und als Tätigkeit für mich faszinierend.» Zusätzlich zum Masterlehrgang holte sie sich an der ETH das Didaktik-Zertifikat Lehrbefähigung sowie an der Uni Basel das Diplom in internationaler Zusammenarbeit und globaler Gesundheit.

Junia Landtwing wird in den nächsten zwölf Monaten für den Einsiedler Anzeiger über ihre Arbeit, ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Freuen Sie sich schon heute auf ihren «Brief aus OstTimor».

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