Usbekistan zieht ausländische Investoren an

Vereinfachte Visa-Bestimmungen, niedrigere Steuern und die wachsende Zahl gebildeter Menschen sind weitere Argumente, die ausländisches Kapital anziehen.

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Euronews-Reporterin Galina Polonskaya mit Dan Patterson, Generaldirektor bei JV, Silverleafe LLCeuronews

In den vergangenen sechs Jahren haben sich internationale Investitionen in Usbekistan mehr als verzehnfacht. Regierungsreformen, die 2017 mit der Öffnung der Wirtschaft begannen, locken ausländisches Kapital in das zentralasiatische Land. Das Interesse der Investoren wächst.

Das amerikanisch-usbekische Joint Venture Silverleafe baut in der Region Jizzakh Baumwolle an. Der gesamte Prozess von der Aussaat bis zur Ernte ist zu 100 Prozent automatisiert:

Dan Patterson, der Generaldirektor bei JV, Silverleafe LLC zeigt das GPS, das den Traktor online hält, er erklärt: „Es gibt eine automatische Spurverfolgung, die mit dem Satellitensystem verbunden ist, die Genauigkeit liegt bei ein oder zwei Zentimetern.“

In diesem Jahr wird Silverleafe eine neue Technologie in Usbekistan einführen, um einen digitalen Fußabdruck für die Verfolgung und Rückverfolgbarkeit der maschinell geernteten Baumwolle zu erstellen. Die gesamte Ausrüstung kommt aus den USA.

„Diese gelben Hauben sind ein sehr wichtiger Bestandteil der Präzisions- und der digitalen Landwirtschaft“, so Dan Patterson. „Wir sammeln Informationen, erfassen unsere Erntedaten und senden sie an einen Satelliten, damit wir die Baumwollernte auf dem Feld verfolgen können.“

Dan Patterson wurde 2018 vom Präsidenten nach Usbekistan eingeladen, um die Landwirtschaft zu modernisieren und die Reformen zu begleiten. Insgesamt investierte Silverleafe in Usbekistan rund 40 Millionen US-Dollar.

„Man achtet darauf, ob es sich um echte Reformen, oder nur um Gerede handelt“, so Dan Patterson. „Ich bin seit fünf Jahren vor Ort, ich kann bestätigen, dass es Reformen gibt. Sie schaffen die Infrastruktur und das Umfeld für ausländisches Kapital, um die Vorteile der natürlichen Ressourcen und des Arbeitsmarktes zu nutzen. 60 Prozent der Bevölkerung sind 30 Jahre oder jünger, was eine großartige Gelegenheit ist, um Geschäfte und zukünftige Investitionen zu tätigen.“

Dan Patterson vor einem automatisch laufenden Traktoreuronews

3 Milliarden Euro für 100 Projekte in Schlüsselsektoren
In den vergangenen fünf Jahren hat die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) über 3 Milliarden Euro für 100 Projekte in Schlüsselsektoren der usbekischen Wirtschaft zugesagt. Jedes Jahr gab es mehr Investitionen. Nachhaltige Energie ist eine der Prioritäten. Die EBWE bewilligte ein Darlehen für eine der ersten privaten Solaranlagen in Usbekistan. In den vergangenen drei Jahren war Usbekistan der größte Empfänger von EBWE-Mitteln in Zentralasien. Alkis Drakinos, Direktor EBWE-Usbekistan:

„Usbekistan ist attraktiv für Investitionen aufgrund seiner Reformen, angefangen bei der Währungsliberalisierung, dem Gesetz über öffentlich-private Partnerschaften, der Strategie für eine grüne Wirtschaft bis 2030 und der laufenden Privatisierung der staatlichen Banken und Organisationen. All diese Reformen sind ein starkes Signal für internationale Investoren hinsichtlich des Potenzials, der Bereitschaft und des Engagements für Reformen in Usbekistan.“

Alkis Drakinos, Direktor EBWE-Usbekistaneuronews

Usbekische Technologie: interessant für Investoren
Usbekische Technologie ist ebenfalls interessant für ausländische Investoren. Die in London ansässige Investmentfirma Sturgeon Capital war die erste, die in Usbekistans Start-ups und digitale Infrastruktur investierte, und zwar über einen speziellen 25-Millionen-Dollar-Fonds, der 2020 aufgelegt wurde.

„Wir konzentrieren uns auf 3 Bereiche: 1. Fintech; 2. Marktplätze, typischerweise E-Commerce und 3. Software. Seit wir investiert haben, sind die Umsätze dieser Unternehmen im Durchschnitt fast um das Dreifache gestiegen, und wir rechnen mit einer guten Zukunft“, erzählt der Sturgeon Capital Chief Investment Officer Kiyan Zandiyeh.

Sturgeon Capital Chief Investment Officer Kiyan Zandiyeheuronews

BILLZ war das erste usbekische Start-up, das von dem Londoner Unternehmen finanziert wurde. Die junge Firma hat eine Software entwickelt, die bei der Verwaltung und dem Wachstum von Einzelhandelsgeschäften hilft. Das Start-up ist bereits in 4 Länder expandiert und hat weitere Investoren angezogen. Mitbegründer und Geschäftsführer Rustam Khamdamov:

„Vor 5 Jahren war es für uns sehr schwierig, Investoren zu finden. Es war ein langer Prozess, einfach weil es keine gab. Jetzt ist es viel einfacher, mit Fonds zu verhandeln, es gibt auch viel mehr als vor 5 Jahren. Das schafft Möglichkeiten für zukünftigen Wachstum und Entwicklung.“

Mitbegründer und Geschäftsführer Rustam Khamdamoveuronews

Immer mehr Faktoren, die Kapital anlocken
Vereinfachte Visabestimmungen, niedrigere Steuern und die wachsende Zahl gebildeter Menschen sind weitere Argumente, die ausländisches Kapital anziehen.

Der usbekische Minister für Investitionen, Industrie und Handel Laziz Kudratoveuronews

Das Volumen ausländischer Investitionen in Usbekistan hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, der Staat strebt an, in den nächsten 4 Jahren mehr als 100 Milliarden Euro anzulocken:

„Wir werden weiterhin daran arbeiten, das Geschäftsumfeld, das Investitionsklima im Land noch attraktiver zu machen“, erklärt der usbekische Minister für Investitionen, Industrie und Handel Laziz Kudratov. „Für uns ist das Wichtigste, die Qualität der Investitionen zu sichern, um eine nachhaltige, langfristige Entwicklung der usbekischen Wirtschaft zu sichern, um sie wettbewerbsfähig zu machen.“

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