Die gekauften Kinder der Ukraine

Der Krieg hat viele dunkle Seiten. Die „Entführung“ ukrainischer Kinder durch Rußland ist in westlichen Medien ein Dauerthema. Dabei scheint es allerdings vor allem darum zu gehen, für die nötige Empörung sorgen, die Washington zur Aufrechterhaltung der nötigen Kriegsstimmung braucht. Es steht außer Frage, daß jedes Kind zu seinen rechtmäßigen Eltern gehört. Das genannte Problem scheint in seiner Dimension aber aufgebauscht und Rußland bemüht sich, wie vatikanische Vermittlerstellen bestätigen, um die Rückführung evakuierter Kinder zu ihren Eltern. Was in den Medien durchaus auch, aber wesentlich leiser zur Sprache kommt, aber keine Wirkung zeigt, ist der unmenschliche Kinderhandel, der in der Ukraine blüht, gedeckt durch eine grassierende Korruption und offenbar gewollte rechtsfreie Räume – was westliche Staatskanzleien nicht zu interessieren scheint. Warum aber wird diese Form der Entmenschlichung faktisch vom Westen gedeckt? Weil die zahlende Kundschaft für die Gebärmuttervermietung, verharmlosend „Leihmutterschaft“ genannt, aus dem Westen kommt? Weil sich im Westen eine Tech-Ideologie des Machbaren ausbreitet, die gerne Gott spielen will?

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Tanyas Embryonen
Vor sechs Jahren schickte Tanya zwei Embryonen nach Kiew, an ihren Fall erinnerte jüngst die Journalistin Caterina Giojelli (Tempi). Eine Gebärmutter in der Ukraine zu mieten ist billig, und Tanya und ihr Mann, die in Los Angeles in den USA leben, können sich die amerikanischen Preise nicht leisten. Die Lieferung kostet sie 10.000 Dollar. Sie sind überrascht, als die Firma BioTexCom ihnen mitteilt, daß die Embryonen, sobald am Zielort ankommen, sofort einer Leihmutter eingepflanzt werden. Ursprünglich waren andere Zeitpläne genannt worden. Erst recht war das Staunen groß, als kurz darauf mitgeteilt wird, daß der „Transfer“ erfolglos war. Für das Paar ist es unmöglich, Einzelheiten zu erfahren. Die Leihmutter-“Klinik“ schweigt. Einige Wochen später beschließt Tanyas Ehemann, der sich auf einer Geschäftsreise befindet, persönlich in Kiew bei BioTexCom um eine Erklärung zu bitten. Er wird von einem Mitarbeiter empfangen, der sich bei ihm bedankt. Wofür? Für die Embryonen-„Spende“ an ein anderes Paar.

Dies ist nur der Anfang der Nachforschungen, die Journalisten von Politico und der deutschen Welt über BioTexCom anstellten, den Leihmutterschafts-Giganten in der Ukraine, wo 600 der 1.000 „Leihmutterschafts“-Kinder seit Beginn des russischen Angriffs geboren wurden. Das Geschäft mit den Leihmüttern boomt mitten im Krieg. Die Geschichten von Tanya, den Auftraggebern und den Leihmüttern, die mit Welt und Politico sprachen, beginnen jedoch vor dem Krieg und vor der Corona-Pseudopandemie: als die Kinder noch nicht in Bunkern gelagert wurden oder im Empfangsraum eines stacheldrahtgeschützten Hotels auf ihre Eltern warteten, die als Auftragnehmer fungierten.

Ausgetauschte Zwillinge, verlorene Embryonen, Anklage wegen Kinderhandels
Ein deutsches Paar war gezwungen, einem anderen Paar in der Bundesrepublik Deutschland einen Termin zum heimlichen Austausch seiner Zwillinge zu geben: BioTexCom hatte die Babys nämlich an die falschen Auftraggeber geliefert. Ebenfalls aus Deutschland stammte die Frau, die beschloß, ihre Leihmutterschaft in der Ukraine abzubrechen: BioTexCom hatte ihr nicht alle Embryonen zurückgegeben. Neben dem Handel mit genetischem Material und Kindern beunruhigt viele ehemalige Staatsanwälte und Anwälte, die mit der Welt sprachen, die Gesundheit der Leihmütter: Es gibt Omertà, eine Mauer des Schweigens, über Komplikationen in der Schwangerschaft und nach der Geburt, und alles, was nicht veröffentlicht wird in den BioTexCom-Geschichten von „Hunderten von Geschichten glücklicher Familien, die sich auf ihr Neugeborenes freuen“. Und die ukrainischen Behörden? Die schauen weg und wollen keine Ermittlungen anstellen.

Interpol hat die Fragen, die Politico zu der von Tanya vor fünf Jahren eingereichten Klage stellte, nicht beantwortet: Wurden ihre Embryonen einem anderen Paar eingepflanzt? Wurde ihr Kind von anderen Eltern geboren und aufgezogen?

Für den Gründer von BioTexCom, Albert Tochilovsky, sind die Bedenken von Tanya absurd: „Die Qualität ihres Materials war absolut schlecht, es hätte für uns keinen Sinn gemacht, es für ein anderes Paar zu verwenden“ oder die Embryonen auszutauschen, und niemand halte die Embryonen anderer Leute als Geiseln, denn in der Klinik gebe es schließlich eine riesige Bank von Eizellen, die „von jungen und gesunden Spendern“ gewonnen wurden.

Politico erinnert jedoch daran, daß Tochilovsky 2018 und 2019 unter Hausarrest stand, weil der ehemalige Staatsanwalt Jurij Kowaltschuk ihn des Kinderhandels, der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche verdächtigte.

Der Krieg in der Ukraine deckt Skandale zu und beflügelt das Geschäft
Tempi berichtete, wie sich ein italienisches Ehepaar an das Gericht wandte, als es feststellte, daß die aus der Ukraine nach Hause gebrachten Kinder genetisch nicht mit ihm verwandt waren. Die im Jahr 2011 geborenen Babys wurden darauf zur Adoption freigegeben. Offenbar kein Einzelfall: Andere „Wunscheltern“ hatten die zur Adoption freigegebenen Kinder abgelehnt, als sie feststellten, daß sie gesundheitliche Probleme hatten.

Ein solcher Fall ist die Geschichte von Bridget, der „Tochter“ eines amerikanischen Paares, die 2016 geboren wurde und schließlich in einem Waisenhaus in Saporischja in der Ostukraine lebte. Schon damals hatte BioTexCom Kritik als „Unsinn“ bezeichnet und erklärt, wenn es einen „Embryotausch“ gegeben habe, sei dies auf die anfängliche Unerfahrenheit der Klinik zurückzuführen gewesen: „Ich glaube nicht, daß nur wir hier Fehler gemacht haben. Wenn jemand anfängt, die DNA zu überprüfen, wird es eine Menge Skandale geben“, verteidigte sich Tochilovsky, der dann gegenüber Politico wiederholte, daß diese Fälle, die an untere Gerichte verwiesen waren, bis sie abgewiesen wurden, durch korrupte Staatsanwälte und Erpressungsversuche angeheizt worden seien.

Zu den Paradoxa des Krieges gehört, daß er dazu beigetragen hat, die Zweifel zu zerstreuen, und BioTexCom die Möglichkeit bot, sich sogar ein heldenhaftes Image zuzulegen. Während die Ukraine gegen Rußland kämpft, startete BioTexCom die Kampagne ‚Make babies, don’t make war‘, ‚wir werden unser Bestes tun, um Ihren Traum, Eltern zu werden, zu erfüllen, nichts kann uns aufhalten‘. Eine Kampagne, die funktioniert: Die Klinik rekrutiert Frauen aus den zurückeroberten Gebieten: „Wir haben einen großen Mangel an Leihmüttern, die Zahl der potentiellen Kunden ist dreimal so hoch wie die Zahl der Leihmütter“, begeistert sich Tochilovsky.

VIP-Pakete und Leihmütter-Tragödien
Im Durchschnitt kostet die Anmietung der Gebärmutter einer von BioTexCom angeworbenen Frau zwischen 40.000 und 50.000 Dollar. 71.000 Dollar kostete das „All-inclusive“-VIP-Paket. Die Klinik ist für die Hälfte der etwa 2.000 bis 2.500 Leihmutterschaftsgeburten in der Ukraine pro Jahr verantwortlich. Unter dem Motto „Absolute Unfruchtbarkeit gibt es nicht“ wirbt BioTexCom für eine Reihe von Dienstleistungen, die von der „größten Bank von (Eizell-)Spenderinnen in Europa“ mit 1.500 ukrainischen Frauen aus der „Mittelschicht“ bis hin zur „innovativen“ mitochondrialen Ersatztherapie und dem „genetischen Präimplantationsscreening“ zur Geschlechtsauswahl reichen. Das Unternehmen verspricht die Unterbringung in „erstklassigen Hotels“ in Kiew und die Erstellung von Geburtsurkunden für das Kind“, schreibt Politico.

Die Welt befragte sieben Leihmütter und „die meisten sagten, sie bereuten die Entscheidung“. Victoria brauchte Geld, um von einem Mann wegzukommen, der sie mißhandelte: BioTexCom gab ihr 15.000 Dollar (etwa 12.000 Euro) für drei Schwangerschaftsversuche. Der dritte Versuch war erfolgreich, aber was danach geschah, war unmenschlich, wie sie selbst sagt: „Das Baby wurde mir nicht auf die Brust gelegt, ich hatte kein Recht, es zu füttern, ich hatte kein Recht, es zu besuchen (…) Ich weinte, ich schrie in dieser Station. Ich konnte es nicht ertragen, mir wurde übel, ich träumte von diesem Baby“.

Ausrangierte Babys
Tatiana – über ihre Geschichte hat The Guardian wiederholt berichtet – erklärte, was geschah, nachdem sie 2014–2015 Leihmutter geworden war: „Ich sehe Menschen, die der Armut entkommen wollen, indem sie sich für das [Leihmutterschafts-]Programm anmelden, um Geld zu verdienen und ein Haus zu kaufen, und ich möchte sie warnen, damit sie nicht das erleben, was mir passiert ist.“ Ihr haben die Vertreter von BioTexCom ins Gesicht gelacht, als sie um Hilfe bei der Bewältigung der Folgen der Leihmutterschaft bat: Die Ärzte haben ihr den Gebärmutterhals, die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt. Seitdem hat sie sich 20 Strahlenbehandlungen unterzogen und eine Chemotherapie gegen Krebs begonnen. „Ich hatte Krankheiten im Magen, in der Blase, in den Nieren und in der Milz“.

Olga wurde nach dem Tod des Babys, das sie 2014 in sich trug, die Gebärmutter entfernt. Ihre Anzeige wurde archiviert. Nadias Anzeige ist noch anhängig. Anna, eine ehemalige Krankenschwester bei BioTexCom, adoptierte ein krankes Kind, nachdem seine chinesischen leiblichen Eltern sich wegen der gesundheitlichen Probleme geweigert hatten, es mit nach Hause zu nehmen. Sie sagte, daß das gängige Praxis sei. Die zahlenden Kunden bestellen, und wenn das Produkt nicht ihren Vorstellungen entspricht, lehnen sie es ab.

Selbst Leihmutterschafts-Apologeten warnen: „Meiden sie die Ukraine“.
Aus den Dokumenten, die der Welt vorliegen, geht hervor, daß Leihmütter zwischen 2014 und 2017 durchschnittlich 9.600 bis 14.400 Dollar (etwa 8 bis 12.000 Euro) dafür bezahlt wurden, eine Schwangerschaft auszutragen. „BioTexCom verlangte von seinen Kunden oft das Fünffache.“

Laut Katie Hasson, stellvertretende Direktorin des Center for Genetics and Society in Oakland, Kalifornien, bergen einige der von BioTexCom angebotenen medizinischen Verfahren – insbesondere „riskante Techniken, die als ‚mitochondrialer Transfer‘ bekannt sind“, bei denen „Material aus den Eizellen zweier verschiedener Frauen kombiniert wird“ – „erhebliche Risiken für die Gesundheit der Frauen. Die Einpflanzung mehrerer Embryonen in Leihmütter, um die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erhöhen, oder weil die Möchtegern-Eltern zwei Kinder wollen, erhöht das Risiko von Komplikationen sowohl für die Kinder als auch für die Frauen, die sie austragen, erheblich“. Zahlreiche ethische Fragen stehen im Raum, seit in Großbritannien das erste Baby mit der DNA von drei Personen geboren wurde. In der Ukraine herrscht diesbezüglich ein weitgehend rechtsfreier Raum, ein Eldorado für skrupellose Geschäftemacher.

Maria Dmytriewa, Leiterin der Programme des Zentrums für Demokratieentwicklung in Kiew, nennt es „Sklaverei“. Maryna Legenka, Vizepräsidentin der NGO La Strada-Ukraine, zählt die vertraglichen „Einschränkungen“ für Leihmütter auf. Auch Sam Everingham, Gründer von Growing Families, einer in Sydney ansässigen Beratungsagentur für Leihmutterschaft, der ein Kind bekam, indem er eine Gebärmutter in Indien mietete, argumentiert, daß BioTexCom in einer „Grauzone“ des Marktes operiert, „es ist eine Art Fabrik. Sie stellen die Leihmutterschaft nicht in den Vordergrund (…) Wir empfehlen sie nicht. Aber sie haben eine riesige Marketing-Maschine, vor allem online, und sie sind billig, also sind sie immer noch beliebt“. Sylvie Mennesson, Vorsitzende von Clara in Paris, ist der Meinung, daß unfruchtbare Paare die Ukraine meiden sollten: „Wenn es Probleme gibt, werden sie sich nicht darum kümmern. Vor allem, wenn das Baby eine Frühgeburt ist (…). Wer will schon unter Bomben geboren werden?“.

Kinder zu verkaufen
Laut der feministischen Aktivistin Marie-Josèphe Devillers, Autorin des Buches „Towards the Abolition of Surrogate Motherhood“ („Für die Abschaffung der Leihmutterschaft“), „haben die Europäer, die für den Zugang zu den Körpern der ukrainischen Frauen bezahlen, die verzweifelte Situation noch viel schlimmer gemacht. Das ist neoliberale Ausbeutung. Der Profit treibt einen Markt an, der das Individuum, das um jeden Preis ein Kind will, über das kollektive Wohl des Schutzes der Frauen stellt“. Es geht um Frauen, die heute ihre Haut riskieren, um ihren Auftraggebern in der Ukraine ‚die Ware‘ zu liefern. Und die Kinder? Da ist der Fall des kleinen Kindes, das von einem italienischen Paar zur Adoption freigegeben wurde, des französischen Vaters, der an der ungarischen Grenze beim „Schmuggeln“ von zwei Kindern in einem Lieferwagen erwischt wurde, weil Frankreich sich geweigert hatte, die Pässe der Kinder zu genehmigen, des deutschen Paares, das durch eine E‑Mail von BioTexCom erfuhr, daß einer seiner Zwillinge gegen den eines anderen Paares ausgetauscht worden war. Oder von Inge, der Frau, die, nachdem sie 11.000 Dollar für das Verfahren ausgegeben hatte, beschloß, alles abzubrechen, aber ihre Embryonen nicht zurückbekam.

„Die schockierendste Anschuldigung war, daß BioTexCom Dokumente und DNA-Tests gefälscht hat, um den Verkauf von Kindern zu ermöglichen, die in der Ukraine für Eltern geboren wurden, die genetisch nicht mit ihnen verwandt waren. Selbst wenn auf 1.000 Kinder eines kommt, das [illegal] verkauft wurde, macht dies alle guten und humanen Absichten der Klinik zunichte. Ich denke, das ist inakzeptabel“, sagte der einst mit dem Fall BioTexCom betraute Staatsanwalt Kowaltschuk gegenüber Politico. Der Staatsanwalt wurde von den Ermittlungen entbunden. Hatte er zu tief gegraben? Tatsache ist, daß die Ukraine ein massives Korruptionsproblem hat.

Es liegen laut Recherchen allein Dutzende von Anzeigen von Frauen vor, die zwischen 2013 und 2017 in der Klinik als Leihmütter gearbeitet haben. Die Klinik hat „prominente“ Unterstützer wie „den ehemaligen Parlamentsabgeordneten und Präsidentschaftskandidaten 2019 Vitaliy Kupriy, der im August 2018 eine Folge seiner Fernsehsendung der Verteidigung von BioTexCom widmete“. Die Fälle liegen schon einige Jahre zurück, doch die Lage ist nicht besser geworden, sondern hat sich durch den Krieg noch verschlimmert.

Neben den Vorwürfen ausstehender Zahlungen und der Weigerung, Entschädigung für medizinische Komplikationen zu leisten, die während der Leihmutterschaft auftraten, wird Tochilovsky auch der Steuerhinterziehung beschuldigt (zweistellige Millionenbeträge an BioTexCom-Geldern, die über Firmen, die auf den Seychellen oder in Lettland, Zypern und der Tschechischen Republik registriert sind, in Offshore-Unternehmen versteckt wurden). Anschuldigungen, die gerichtlich nie bewiesen wurden. Was die vertauschten Babys betrifft, so gab der Gründer von BioTexCom selbst zu, daß es sich um „menschliches Versagen“ handelte.

Krieg entvölkert
Das ukrainische Parlament arbeitet an einem Gesetz, das die Vermietung von Gebärmüttern an Ausländer verbieten soll. Der Ansatz ist halbherzig, ethisch zweifelhaft (Verbot nur für Ausländer?) und wird nicht mit Nachdruck betrieben. Zu viele internationale Medienanfragen über die „unmenschliche Behandlung“ von Leihmüttern und Kindern schaden jedoch dem Image und haben zumindest etwas Bewegung in die Sache gebracht. Vor allem hat die Ukraine selbst einen enormen Menschenverlust zu verzeichnen. Damit sind nicht nur die Verluste an der Front gemeint, sondern die Millionen, die als Flüchtlinge das Land verlassen haben: 3,5 Millionen nach Rußland, dreimal soviel in den Westen. Wie viele werden nicht mehr zurückkehren? Die Regierung in Kiew geht laut Schätzungen davon aus, daß die Ukraine (in den Grenzen vor 2014) im Jahr 2030 um zehn Millionen Einwohner geschrumpft sein wird. Tochilovsky wehrt ab: Sein Unternehmen BioTexCom habe „Vorkehrungen getroffen, Niederlassungen in Georgien und Kasachstan zu eröffnen, um auf jedes Szenario vorbereitet zu sein“.

Im Jahr 2022 hatte der Leihmutterschaftsmarkt einen Wert von 14 Milliarden Dollar. Laut dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Global Market Insights wird er bis 2032 auf 129 Milliarden Dollar anwachsen.

Das italienische Parlament verabschiedete den mutigen Vorschlag der neuen Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Leihmutterschaft – die in Italien bereits gesetzlich verboten ist – zu einem universellen Verbrechen zu machen, was die strafrechtliche Verfolgung in Italien möglich macht, auch wenn die Tat im Ausland begangen wird. Dagegen polemisierte die linke Philosophin Michela Marzano, Dozentin der Philosophie an der Universität Paris IV und italienische Parlamentsabgeordnete der Linksdemokraten. Seit Monaten wird in der Presse die Leihmutterschaft als ein „Akt der Liebe, des Glücks, des Fortschritts, der Freiheit“ dargestellt (auch in der Ukraine, wo der Schriftsteller Janeczek die Tragödie der in einem Bunker gefangenen Neugeborenen für die Verteidigung der ukrainischen Freiheit hochzuspielen versuchte, „die Putin im Namen der Rückkehr zu traditionellen Werten auslöschen will“).

Die traditionellen Werte haben einen Wert an sich, weil sie richtig sind und daher immer und überall zu gelten haben, in Rußland wie in der Ukraine. Der Krieg oder gar eine Parteinahme in diesem Krieg sollte damit nichts zu tun haben. Der Kinderhandel in der Ukraine, dem die dortigen Gesetzgeber nicht willens scheinen, ernsthaft entgegenzutreten, und der die westlichen Staatskanzleien, die täglich mit Kiew in Kontakt stehen und von deren Geld die Ukraine heute völlig abhängig ist, nicht ausreichend zu interessieren scheint, zeigt die Tragödie auf, wenn Menschenleben zum Spielball werden, zu einem Produkt, das gekauft und verkauft werden kann, zu einer Produktlinie für das Glück der Erwachsenen.

Text: Martha Burger/Giuseppe Nardi
Bild: Youtube (Screenshot)

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