Kleinwasserkraft für Zentralasien – Blick in die Welt der europäischen Projektzusammenarbeit

Forschungsprojekte, Forschungs- / Wissenstransfer Im EU-Projekt Hydro4U - Hydropower For You implementieren 13 Partner aus acht Ländern innovative, modulare und standardisierte Lösungen für Kleinwasserkraft für Mittel- und Niederdruckanwendung in Zentralasien. Neben dem Marktzugang für die Projektpartner unterstützt Hydro4U den Zugang zum zentralasiatischen Markt für den gesamten europäischen Wasserkraftsektor. Wie gestaltet sich das Innovationsmanagement in der europäischen Projektzusammenarbeit?

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Die Europäische Kommission finanziert Projektkonsortien, mit dem Ziel, die Innovationskraft Europas zu fördern und Innovationen schneller auf den europäischen Markt zu bringen und nachhaltig zu etablieren. Als Experte, Moderator und Katalysator für Innovationsmanagement begleitet und unterstützt das Steinbeis Europa Zentrum die Projektpartner während des Projektes.

Im EU-Projekt Hydro4U – Hydropower For You implementieren 13 Partner aus acht Ländern innovative, modulare und standardisierte Lösungen für Kleinwasserkraft für Mittel- und Niederdruckanwendung in Zentralasien. Neben dem Marktzugang für die Projektpartner unterstützt Hydro4U den Zugang zum zentralasiatischen Markt für den gesamten europäischen Wasserkraftsektor. Zwei Demonstrationswasserkraftwerke werden in Zentralasien errichtet und evaluiert: ein ökologisches Schachtwasserkraftwerk mit niedrigen Fallhöhen und ein Wasserkraftwerk mit mittlerer Fallhöhe.

„Bereits bei der Antragstellung treten wir als Wegbereiter auf. Darüber hinaus begleiten wir, falls gewünscht, als Projektpartner die Entwicklung von Lösungen und Innovationen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Markteinführung. Unsere systematische Herangehensweise ermöglicht gemeinsam mit den Partnern die Erarbeitung solider Verwertungsstrategien, Aktionspläne und Geschäftsmodelle für kommerziell verwertbare Projektergebnisse“, sagt Project Managerin Isabelle Dubreuilh, Steinbeis Europa Zentrum. Dabei spielt auch das Management des geistigen Eigentums eine wichtige Rolle.
„Durch einen zweckgerichteten Wissenstransfer und einen lösungsorientierten Austausch versetzen wir die Partner in die Lage, ihre Projektergebnisse für eine spätere Verwertung angemessen zu schützen.“

Die Herausforderung liegt vor allem in der Komplexität der unterschiedlichen Erwartungen und Ziele der einzelnen Partner. In einem EU-Projekt sind in der Regel zwischen 10 bis 40 Partnern aus mehreren Ländern beteiligt.

Modulare Lösungen
Europäische Technologien werden auf die Bedarfe Zentralasiens angepasst und ihre zukünftige Einsetzbarkeit in grenzüberschreitenden Wasser-Nahrungsmittel-Energie-Klima-Nexus demonstriert. Basierend auf vorherigen Analysen von ungenutztem Kleinwasserkraftpotenzial wurde ein modulares Design der Kraftwerke gewählt, dass die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellt. Ziel ist es, durch Modularisierung und Standardisierung, d.h. mithilfe eines grundlegend vereinfachten Strukturkonzepts, die Planungs- und Konstruktionskosten möglichst gering zu halten, ohne dabei Abstriche bei der Effizienz zu machen. Dabei spielen Aspekte wie Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und soziale Akzeptanz eine wichtige Rolle.

Innovative Technologien
Zwei Demonstrationswasserkraftwerke werden in Zentralasien errichtet und evaluiert: ein ökologisches Schachtwasserkraftwerk mit niedrigen Fallhöhen und ein Wasserkraftwerk mit mittlerer Fallhöhe.
• Francis Container Power Solution – eine standardisierte und modulare Lösung mittlerer Fallhöhen: in Hydro4U wird die Struktur des Wasserkraftwerkes drastisch reduziert, indem das traditionelle Kraftwerk entfällt und die Turbine in einem vorgefertigten Container eingesetzt wird.
• Hydro Shaft Power Solution – eine modulare Schachtwasserkraftlösung mit einem fischfreundlichen Design: Dieses von der TU München entwickelte, innovative und nachhaltige Konzept kombiniert eine effiziente Stromerzeugung mit unter Berücksichtigung des Flussökosystems. Es wird in Hydro4U weiter durch vormontierte Module optimiert.

„In Zentralasien gibt es ein großes Potenzial für Kleinwasserkraft, das aktuell noch nicht ausreichend genutzt wird. Im EU-Projekt Hydro4U geht man einen neuen Weg für ein kooperatives bereichsübergreifendes Wassermanagement, um die vorhandene Stromnachfrage abzudecken. Dabei werden innovative, modulare und standardisierte Lösungen für Mittel- und Niederdruckanwendung implementiert. Neben einem direkten Marktzugang für die 13 Projektpartner aus acht Ländern, unterstützt Hydro4U das Innovationsmanagement auf dem Weg zum Zugang zum zentralasiatischen Markt für den gesamten europäischen Wasserkraftsektor“, sagt Thomas Eder, Global Hydro Energy GmbH, Österreich, Partner in Hydro4U für die Entwicklung und Produktion von schlüsselfertigen Kleinwasserkraftanlagen.

Marktzugang durch Replikation in Zentralasien
Ein Replikationsmodell unter Berücksichtigung des Wasser-Nahrungsmittel-Energie-Klima-Nexus wird vorausschauend für eine nachhaltige Nutzung des Kleinwasserkraftpotentials in Zentralasien entwickelt. Die Technologien werden den europäischen Qualitätsstandards entsprechen, um so neue Märkte für die gesamte europäische Kleinwasserkraftindustrie zu erschließen. Dank eines webbasierten Entscheidungssystems werden die Wirkungen dieser Innovationen über die Projektlaufzeit hinausgehen. Es soll künftige Investoren bei der Beurteilung eines passenden Standortes durch Fakten unterstützen.

Zielgruppen
In Hydro4U arbeiten Partner sowohl aus Zentralasien als auch aus der Europäischen Union gemeinsam an der Projektumsetzung, um durch wissenschaftlich begleitete Aktivitäten und der Erprobung technologischer Lösungen an einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieerzeugung für Zentralasien beizutragen. Eine enge Kooperation zwischen allen beteiligten Akteuren und Investoren stellt einen wesentlichen Aspekt von Hydro4U dar. Die unterschiedlichen Expertisen der Partner (u.a. Industrie, Wissenschaft, Politik) führen zu vielfältigen Perspektiven auf die Wechselbeziehungen zwischen Ökologie, Technologie und Gesellschaft, welche im Innovationsmanagement, insbesondere in der Verwertungsstrategien zu berücksichtigen sind.

Steinbeis Europa Zentrum begleitet Innovationsprozesse
Das Steinbeis Europa Zentrum hat die Technische Universität München, die das Projekt koordiniert, von Anfang an in der Projektkonzeptionsphase mit den 11 weiteren Partnern aus der EU und Zentralasien unterstützt und bei der Antragstellung begleitet. Im erfolgreichen Projekt setzt sich diese Zusammenarbeit nun im Bereich Innovationsmanagement fort.

„Wir arbeiten systematisch mit den Projektpartnern daran, die innovativen Ergebnisse inhaltlich zu beschreiben, die Verwertungsabsichten zu definieren und die Eigentums- und Zugriffrechte zu klären“, sagt Project Managerin Isabelle Dubreuilh, Steinbeis Europa Zentrum. Dabei spielen auch die vielfältigen Standpunkte der Beteiligten zu den Innovationen eine wichtige Rolle. Die Projektpartner entwickeln mit ihren unterschiedlichen Expertisen sehr gute Lösungsansätze für die gemeinsamen Herausforderungen mit. Beispielsweise hat das Steinbeis Europa Zentrum interaktive Pitching Sessions zu einzelnen Projektergebnissen organisiert. In einem Pitch hatte jede Partnerorganisation ihr favorisiertes Projektergebnis und die damit verbundenen Herausforderungen dem Konsortium vorgestellt. Das Feedback aus einem anderen Blickwinkel und der gezielte Austausch setzte weitere Synergien zwischen den Partnern frei. Diese Pitching Sessions sind bei den Partnern auf eine sehr positive Resonanz gestoßen.

Dieser kooperative Ansatz wird durchgehend durch das Steinbeis Europa Zentrum befördert. In einem weiteren kollaborativen Prozess werden im Verlauf des Projektes die vielversprechendsten Projektergebnisse ausgewählt. In kleinen Arbeitsgruppen werden für diese dann unterschiedliche Aspekte z.B. die zentralasiatischen Rahmenbedingungen für den Markteintritt analysiert und adäquate Geschäftsmodelle erarbeitet. In diesen Gruppen werden auch die zukünftigen Schritte und Verantwortlichkeiten für eine erfolgreiche Verwertung der Projektergebnisse festgelegt.

Kontakt: Isabelle Dubreuilh und Charlotte Schlicke, Steinbeis Europa Zentrum
E-Mail: charlotte.schlicke@steinbeis-europa.de

Weitere Erfolgsgeschichten lesen Sie im Jahresbericht 2022 des Steinbeis Europa Zentrums

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Isabelle Dubreuilh, Steinbeis Europa Zentrum

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