Russland: Wladimir Putin stellt sein Land als angebliches Opfer im Ukraine-Krieg dar

Mit Spannung wurde Putins Rede zum »Tag des Sieges« erwartet. Vor Tausenden Soldaten rechtfertigte der russische Präsident darin den Ukrainekrieg. Dem Westen warf er vor, Russland zerstören zu wollen.

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Russland: Wladimir Putin stellt sein Land als angebliches Opfer im Ukraine-Krieg dar

Mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Feierlichkeiten zum Sieg über Nazideutschland eröffnet. Seine Rede war mit Spannung erwartet worden. Darin stellte Putin sein Land im aktuellen Krieg gegen die Ukraine als angebliches Opfer dar. Dem Westen warf er vor, Russland zerstören zu wollen.

»Heute befindet sich die Zivilisation erneut an einem entscheidenden Wendepunkt«, sagte Putin vor Tausenden Soldaten auf dem Roten Platz in Moskau. »Gegen unser Vaterland wurde ein echter Krieg entfesselt«, fügte er mit Blick auf die Kämpfe gegen die Ukraine hinzu, die er vor mehr als einem Jahr selbst angeordnet hatte. »Aber wir haben den internationalen Terrorismus zurückgeschlagen, wir werden die Einwohner des Donbass beschützen, und wir werden unsere Sicherheit gewährleisten.«

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Die westliche Elite säe Hass und Russophobie, so Putin weiter. »Sie versuchen, unser Land zu zerstören.« Mit Blick auf den seit Februar 2022 gegen das Nachbarland geführten Krieg sagt er: »Wir sind stolz auf die Teilnehmer der militärischen Spezialoperation in der Ukraine.« Es gebe nichts Stärkeres als die Liebe der Russen zum Vaterland, sagt der Präsident weiter. Putin beschwörte die Einigkeit der russischen Bevölkerung angesichts des Krieges. »Alle im Land sind vereint, um unsere Helden zu unterstützen.«

Russland hat am 24. Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen – und rechtfertigt diesen immer wieder mit der nicht belegten Behauptung, der Westen habe Russland bedroht. Auch mehr als ein Jahr nach Kriegsbeginn war in Moskau bis zuletzt in der Regel nur von einer »militärischen Spezialoperation« die Rede gewesen.

Ausländische Staatsoberhäupter zu Gast
Offiziellen Angaben zufolge sind auf dem Roten Platz rund 8000 Soldaten aufmarschiert – darunter offenbar auch Männer, die in den vergangenen Monaten in der Ukraine kämpften. Neben Putin waren die Spitzen der russischen Politik sowie mit Russland verbündete ausländische Staatsoberhäupter zu sehen. Zu Gast sind etwa die Staats- und Regierungschefs aus den Ex-Sowjetrepubliken Belarus, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan und Armenien.

Der 9. Mai ist einer der wichtigsten Feiertage in Russland, an dem die Menschen der enormen Opfer gedenken, die die Sowjetunion während des sogenannten Großen Vaterländischen Krieges von 1941 bis 1945 gebracht hat. Rund 27 Millionen ihrer Bürgerinnen und Bürger kamen dabei ums Leben. Dieses Jahr ist der Feiertag noch emotionaler aufgeladen, da Russland um Tausende Soldaten trauert, die in dem fast 15-monatigen Krieg in der Ukraine getötet wurden.

Die Feierlichkeiten zum Gedenken an den Sieg über Nazideutschland sind in diesem Jahr von den Rückschlägen der russischen Offensive in der Ukraine geprägt. Sie finden laut Kreml-Angaben »unter großen Sicherheitsvorkehrungen« statt.

Insbesondere nach einem Drohnenvorfall am Kreml war in den vergangenen Tagen immer wieder spekuliert worden, ob die Parade tatsächlich stattfindet oder eventuell doch aus Sicherheitsgründen abgesagt wird. In der Nacht zum vergangenen Mittwoch waren nämlich zwei Drohnen bis zum Kreml-Gelände vorgedrungen. Über der Kuppel des Senatspalasts konnten sie von der Luftabwehr zum Absturz gebracht werden. Moskau macht Kiew für den angeblichen Anschlagsversuch auf Putin verantwortlich. Die Ukraine weist das zurück und spricht von einer russischen Inszenierung.

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