Wochenrückblick Zentralasien

Afghanistan-Gespräche und Kasachisch-Afghanisches Businessforum in Astana, kirgisische Beamte ohne Kirgisischkenntnisse sollen entlassen werden, weiterer Journalist in Usbekistan festgenommen – unser Wochenrückblick mit den wichtigsten Ereignissen aus Zentralasien.

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Kasachisch-Afghanisches Businessforum in Astana
In Astana wurde am Donnerstag das Kasachisch-Afghanische Businessforum eröffnet. Dieses dient dazu, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu stärken und Unternehmen aus verschiedenen Sektoren miteinander zu vernetzen. Afghanistan ist vor allem ein Importeur von kasachischem Mehl. Auf dem Forum sollen eine Zusammenarbeit im Energiesektor und neue Verkehrsverbindungen durch Afghanistan diskutiert werden. Zudem sollen afghanische Studierende in Kasachstan mit Stipendien unterstützt werden. Die erwartete Ankunft der über 200 Personen umfassenden afghanischen Delegation sorgte im Vorfeld für Aufsehen, weil in Afghanistan mit den fundamentalistischen Taliban eine Gruppierung an der Macht ist, die in Kasachstan verboten ist. Kasachstans Vize-Handelsminister Kairat Torebajew stellte in dem Zusammenhang klar, dass die Delegationsmitglieder nicht mit UN-Sanktionen belegt sind.

Gespräche über Lage in Afghanistan
Bereits in der Vorwoche waren Vertreter der fünf zentralasiatischen Staaten in der kasachischen Hauptstadt zusammengekommen, um über die Situation in Afghanistan zu beraten. An den Gesprächen im 5+1-Format nahm auch der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Thomas West teil. Diskutiert wurde der Umgang mit den Taliban, die vor zwei Jahren wieder die Macht in Kabul übernommen hatten, als auch humanitäre Hilfe für die afghanische Bevölkerung. Der kasachische Sonderbotschafter Talgat Kalijew warb bei dem Treffen für ein abgestimmtes, pragmatisches Vorgehen, um die Lage in Afghanistan zu stabilisieren.

Kirgisische Beamte ohne Kirgisischkenntnisse sollen entlassen werden
Mit dem neuen, vor zwei Wochen unterzeichneten Sprachgesetz sind Beamte in Kirgisistan künftig verpflichtet, Kirgisisch zu sprechen. Wer die Sprache bislang nicht gelernt hat, soll demnächst entlassen werden: „Sie hatten drei oder vier Jahre Zeit, Kirgisisch zu lernen, und wenn sie [fleißig] gelernt hätten, hätten sie es in sechs Monaten gelernt. Nun sind alle Fristen abgelaufen. Beamte [die kein Kirgisisch sprechen] werden entlassen“, sagte der Leiter des Nationalen Komitees für die Staatssprache, Kanybek Osmonaliew. In Russland hatte das neue kirgisische Sprachgesetz für Kritik gesorgt. Doch Kirgisistans Präsident Sadyr Schaparow stellte klar, dass Russisch auch in Zukunft eine wichtige Bedeutung haben wird, etwa bei der Zusammenarbeit mit anderen GUS-Ländern.

Turkmenische Airline stellt Flugbetrieb nach Moskau ein
Als Reaktion auf die umfassenden russischen Drohnenangriffe gegen die Ukraine sind in den vergangenen Tagen mehrmals Bürotürme in der russischen Hauptstadt Moskau von ukrainischen Drohnen getroffen worden. Turkmenistan Airlines hat deswegen nun angekündigt, den Flugbetrieb auf der Strecke von Aschgabat nach Moskau bis auf weiteres einzustellen und stattdessen die 850 Kilometer entfernte Stadt Kasan anzufliegen. Wie russische Medien berichten, basiert die Maßnahme auf einer Risikobewertung zur Flugsicherheit im Luftraum um Moskau.

Weiterer Journalist in Usbekistan festgenommen
Der usbekische Bürgerjournalist Olimjon Haydarow ist wegen des Vorwurfs der Erpressung hoher Geldbeträge in Gewahrsam genommen worden. Haydarov ist bei den Tausenden Followern in seiner Heimatregion Fergana für seine Kritik an lokalen Beamten bekannt. Ermittler behaupten nun, der Blogger habe von den Besitzern eines Einkaufszentrums 10.000 Dollar verlangt, damit er einen kritischen Videobericht nicht veröffentlicht. Ihm drohen zwischen fünf und zehn Jahre Haft. Sein Bruder teilte mit, dass sich Haydarov seit seiner Inhaftierung in einem Hungerstreik befindet. Er ist bereits der dritte Journalist, dem derzeit in Usbekistan angebliche Erpressung vorgeworfen wird.

Zusammengestellt von Johann Stephanowitz

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