Putin-Propaganda in Nürnberger Kulturzentrum? „Würde meine Kinder da nicht hinschicken“

Das RDK hat jahrelang mit einer Stiftung zusammengearbeitet, die inzwischen auf der Sanktionsliste der EU steht. Dennoch fördert die Stadt es weiterhin.

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Das Russisch-Deutsche-Kulturzentrum hat jahrelang mit einer Stiftung zusammengearbeitet, die inzwischen auf der Sanktionsliste der EU steht. Dennoch fördert die Stadt es weiterhin mit Zehntausenden Euro jährlich.

Tief im Nürnberger Südwesten, im Stadtteil Röthenbach, befindet sich das Russisch-Deutsche-Kulturzentrum (RDK) – im Hinterhof, direkt neben einem Kulturladen der Stadt. Hier sollen Einwanderer und deren Kinder bei der Integration unterstützt und kultureller Austausch gefördert werden. Eigentlich eine gute Sache. Nebenbei hat das RDK aber auch den Ruf, eher putinfreundlich zu sein und sich nicht vom Angriffskrieg gegen die Ukraine zu distanzieren.

Die Einrichtung existiert seit 1998 und bietet pro Woche 120 Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Im Jahr besuchen bis zu 50.000 Menschen das Zentrum, wie das RDK selbst auf seiner Website schreibt. Chefin des RDK ist Irina Fixel – parallel ist sie beim Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg beschäftigt.

Das Russisch-Deutsche-Kulturzentrum in Nürnberg-Röthenbach.

Das Russisch-Deutsche-Kulturzentrum in Nürnberg-Röthenbach. (Quelle: t-online)
Russisch-Deutsches-Kulturzentrum in Nürnberg
Das RDK wird von einem Verein getragen. Zu seinen Förderern gehört unter anderem die Stadt Nürnberg. Sie bezuschusst das Zentrum mit rund 120.000 Euro jährlich. Auch vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus erhält es Gelder – weil es die Mittagsbetreuung an einer staatlichen Grundschule organisiert.

Chefin des Zentrums von Putin in Kreml eingeladen
Fixel trägt zu dem Ruf des Zentrums massiv bei. Sie arbeitete jahrelang mit einer russischen Stiftung zusammen. Die Stiftung steht inzwischen auf der Sanktionsliste der EU – wegen Propaganda. Sie heißt „Russkij Mir“. „Russkij Mir“ ist eine Organisation der russischen Regierung. Offiziell wurde sie gegründet, um die russische Sprache und Kultur zu fördern.

Philologe Oleksandr Zabirko von der Universität Regensburg sagt im Gespräch mit t-online, die Stiftung betreibe überwiegend normale Kulturförderung – vergleichbar mit dem Goethe-Institut. „An bestimmten Stellen kommt aber das Propagandistische raus“, sagt Zabirko weiter.

Stiftung seit Juli 2022 auf der Sanktionsliste
Vom Kreml wird „Russkij Mir“ unter anderem als Instrument dafür genutzt, der Ukraine die Legitimation als eigener Staat abzusprechen, so der Europäische Rat. Seit Juli 2022 steht sie deshalb auf der Sanktionsliste der EU. Das Russisch-Deutsche Zentrum war bis zum Ausbruch des Kriegs eine Vertretung der Stiftung in Nürnberg.

Chefin Irina Fixel macht indes aus ihrer Vergangenheit kein Geheimnis. Wer auf die Website der RDK klickt, liest dort bis heute – „von 2009 bis 2021 Direktorin der Nürnberger Vertretung der russischen Stiftung Russkij Mir“. Fest steht auch: Fixel war mit „Russkij Mir“ über Jahre eng verbunden und wurde von der Stiftung, die jetzt auf der Sanktionsliste steht, für Ihre Arbeit ausgezeichnet. 2007 wurde sie sogar von Präsident Wladimir Putin in den Kreml eingeladen, wie der „Nürnberger Stadtanzeiger“ damals berichtete.

Die Stiftung „Russkij Mir“
„Russkij Mir“ ist eine Stiftung der russischen Regierung. Offiziell wurde sie gegründet, um die russische Sprache und Kultur zu fördern. Vom Kreml wird die Stiftung unter anderem als Instrument dafür genutzt, der Ukraine die Legitimation als eigener Staat abzusprechen, so der Europäische Rat. Unter anderem verbreitet sie kremlfreundliche und antiukrainische Propaganda, weshalb sie seit Juli 2022 auf der Sanktionsliste der EU steht. Das Russisch-Deutsche Zentrum war bis zum Ausbruch des Kriegs eine Vertretung der Stiftung in Nürnberg.

Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass hinter den Türen des Russisch-Deutschen-Kulturzentrums mehr passiert als Friede, Freude und Kulturaustausch. t-online hat mit etwa einem Dutzend Menschen aus der russischen und ukrainischen Community, dem Umfeld des Zentrums und der Stadt gesprochen. Sie bekräftigen die Vermutung.

Mutter einer Aktivistin bedroht
Da sind zum Beispiel die Antikriegsaktivisten Elizaveta Shlosberg und Alexander Schumski. Sie haben einen Verein gegründet, der unter anderem gegen russische Desinformation in Deutschland kämpft. Als 2022 Russland die Ukraine angriff, seien sie verwundert gewesen – weil das RDK schwieg. Darum wandten sich Shlosberg und Schumski an die Einrichtung. Man habe höflich gefragt, warum es noch kein Statement zum Krieg gebe und ob das Zentrum immer noch mit der Stiftung „Russkij Mir“ zusammenarbeite, sagt Shlosberg.

Stutzig machte die Aktivisten schließlich aber die Reaktion des Zentrums – es habe nämlich gar nicht reagiert. Von Unterstützern des Zentrums wurden Shlosberg und Schumski hingegen in den sozialen Medien an den Pranger gestellt, sahen sich zahlreichen Anfeindungen konfrontiert, sagen die Aktivisten weiter. Shlosbergs Mutter sei sogar bedroht worden. „Halte deine Tochter im Zaum“, habe in einer Nachricht an ihre Mutter gestanden.

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