„Gemeinsamer Fluss – gemeinsame Interessen“

Der Ural ist eine historisch wichtige und lebenswichtige Wasserressource nicht nur für Westkasachstan, sondern auch für die südlichen Regionen Russlands und eine Reihe anderer Regionen.

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So ernährt der grenzüberschreitende Fluss die Bevölkerung von mehreren Millionen Menschen in der Region und mündet in den Kaspischen Stausee, der ebenfalls flacher wird. Die jüngsten Nachrichten über den Bau eines Überlaufdamms in der Nähe der Stadt Orenburg haben bei Umweltschützern in Kasachstan und Umgebung für Besorgnis gesorgt Russland. Denn es bestehen ernsthafte Bedenken hinsichtlich der möglichen, insbesondere negativen, Folgen dieses Projekts für die Umwelt, den Wasserhaushalt, das ökologische Gleichgewicht in der Region und damit für die gesamte Wirtschaft.

Umweltschützer weisen darauf hin, dass der Bau des Staudamms zu erheblichen Veränderungen der natürlichen Wasserbewegung im Ural führen könnte. Sie gehen davon aus, dass dies die normale Entwicklung und den ökologischen Zustand des Flusses stören kann, was letztendlich sofort zu einer ökologischen Katastrophe führen wird.
Eine der Hauptgefahren ist die mögliche Verschlechterung der Wasserqualität und die Verringerung ihres Volumens, was sich negativ auf die biologische Vielfalt und das Ökosystem der Wasserorganismen sowie auf vom Fluss abhängige landwirtschaftliche und wirtschaftliche Aktivitäten auswirken wird. Es kann auch zu negativen Auswirkungen auf Fischpopulationen und andere Wasserlebewesen kommen, die aufgrund veränderter Bedingungen im Fluss möglicherweise gezwungen sind, ihre natürlichen Lebensräume zu verlassen.
Darüber hinaus weisen Umweltschützer darauf hin, dass der Bau des Staudamms langfristige Folgen für das ökologische Gleichgewicht in der Region haben könnte. Veränderungen im Wasserhaushalt und die Zerstörung der natürlichen Ufer des Ural können zu Bodenerosion, Verlust natürlicher Flächen und einer Verschlechterung der Bedingungen für die lokale Flora und Fauna führen.

Angesichts dieser Bedenken fordern Umweltverbände die regionalen Behörden auf, die möglichen Auswirkungen des Baus eines Überlaufdamms genauer zu prüfen. Sie schlagen vor, zusätzliche Umweltstudien und Konsultationen sowohl mit Experten als auch mit der Öffentlichkeit durchzuführen, um Risiken zu bewerten und Maßnahmen zur Minimierung möglicher Auswirkungen auf die Umwelt und zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu entwickeln.
„Gute nachbarschaftliche Beziehungen“

Unter Berücksichtigung der guten Nachbarschaft zwischen Kasachstan und Russland, die durch jahrhundertelange Freundschaft und Zusammenarbeit entstanden ist, und auch in voller Übereinstimmung mit dem Völkerrecht, nämlich gemäß der UN-Konvention zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internationaler Seen, müssen sich die Länder koordinieren der Bau von Dämmen und Stauseen mit angrenzenden Staaten. Und in Fortsetzung dessen unterzeichneten Russland und Kasachstan im Jahr 2010 ein Abkommen über die gemeinsame Nutzung und den Schutz grenzüberschreitender Gewässer. Das Abkommen ist ein wichtiges zwischenstaatliches Dokument, das zur Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Russland und Kasachstan bei der Nutzung der Wasserressourcen, einschließlich des Flusses Ural, beiträgt.

Trotz dieser herzlichen Beziehungen ist jedoch unter Verstoß gegen alle zuvor von den hohen Parteien unterzeichneten Dokumente der Bau eines Überlaufdamms am Ural in der Nähe der Stadt Orenburg in den Jahren 2023-2024 geplant, um den Wasserspiegel anzuheben und so die Situation zu verbessern Betrieb der Wasserentnahmestelle der Stadt.

Infolgedessen wurde dieses Thema innerhalb der Mauern der Mazhilis des Parlaments (dem Unterhaus des kasachischen Parlaments) aktiv diskutiert. Der Abgeordnete Djusenbai Turganow brachte im April 2021 das Thema grenzüberschreitende Flüsse zur Sprache, wo Verstöße gegen die internationale UN-Konvention und das Abkommen zwischen der Russischen Föderation und der Republik Kasachstan über die gemeinsame Nutzung grenzüberschreitender Gewässer Punkt für Punkt aufgeführt werden.

„Lösungswege“
In der Online-Publikation azh.kz heißt es: „Laut dem umfassenden Bericht der Experten beider Länder aus dem Jahr 2016 begann das Volumen des Wasserdurchflusses im Ural seit den 70er Jahren allmählich abzunehmen.“ Jahrhundert, und dies ist seit 2006 besonders deutlich zu spüren.

Experten nannten mehrere Gründe: klimatische Faktoren, die die Niedrigwasserperioden in Flüssen verlängern, Flussregulierung im Einzugsgebiet, Verschlechterung des Wassernetzes durch Pflügen und Abholzung. Im Flusseinzugsgebiet wurden 12 große Stauseen und etwa 80 Wasserkraftwerke mit Kapitalstrukturen gebaut. Darüber hinaus seien an allen kleinen Flüssen des Einzugsgebiets willkürlich etwa 3.100 Erddämme errichtet worden, was zu irreparablen Schäden an der Wasserversorgung des Urals geführt habe, heißt es in dem Dokument.

Es ist erwähnenswert, dass der Ural eine wichtige Süßwasserquelle für viele Städte und Gemeinden in Kasachstan ist. Es versorgt 2,5 Millionen Menschen. Insgesamt gibt es am Ural 22 Stauseen: 12 in Russland und 11 in Kasachstan. Die größten Stauseen des Urals auf dem Territorium Kasachstans: Kargaly (Gesamtvolumen 280 Millionen m3); Aktöbe (Gesamtvolumen 245 Millionen m3); Kirovskoe (Gesamtvolumen 280 Millionen m3).
Laut Alexander Chibilev, Doktor der Geowissenschaften, muss man sich zunächst auf die Anpassung des Wasserverbrauchs an die aktuellen Ressourcen der Region konzentrieren. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei laut dem Wissenschaftler der Stopp des Baus neuer Dämme und Wassereinlässe im Einzugsgebiet des Ural und seiner Nebenflüsse. Gleichzeitig lohnt es sich, die Regeln für den Betrieb bestehender Stauseen zu überprüfen und ihren Betrieb so zu regeln, dass der Ural im Frühjahr genügend Wasser erhält, um die Küstenzone zu überfluten. Darüber hinaus hält der Wissenschaftler den Einsatz moderner wassersparender Technologien für notwendig, um den Wasserverbrauch für die Bewässerung nicht nur im Ural, sondern auch an seinen ebenfalls durch Dämme regulierten Nebenflüssen zu reduzieren. Dafür ist es wichtig, dass Russland und Kasachstan zusammenarbeiten.

„Gemeinsame Interessen“

Der Aktöbe-Aktivist und Direktor des öffentlichen Fonds RED der Umweltgemeinschaft Alexander Mandrykin versucht seit vielen Jahren, die Behörden der westlichen Region auf die Verschlechterung der Ökologie des Ural aufmerksam zu machen.
Der Ökoaktivist schlägt vor, den Wasserhaushalt auszugleichen, indem sichtbare und externe Wasserquellen zur Entlastung und Landschaftsverbesserung genutzt und mögliche Wasserflächen geschaffen werden, die für sich behalten werden könnten.
Laut Alexander Wassiljewitsch kann das Problem des Baus eines Überlaufdamms für Kasachstan mehrere Aspekte umfassen:

Einerseits hat Russland das Recht, die Wasserressourcen auf seinem Territorium, einschließlich des Flusses Ural, zu verwalten. In diesem Zusammenhang kann der Bau von Wasserkraftwerken und Stauseen flussaufwärts als legitime Nutzung der Wasserressourcen angesehen werden. Andererseits kann die Wasserrückhaltung in Stauseen schwerwiegende Auswirkungen auf das Ökosystem des Ural sowie auf das Leben und die Gesundheit der Bewohner flussabwärts, auch in Kasachstan, haben.

Das russische Projekt könnte der Umwelt ernsthafte Schäden zufügen. Die endgültige Entscheidung für den Dammbau sollte auf einer umfassenden Bewertung ökologischer, sozioökonomischer und technischer Faktoren basieren und auch die Konsultation lokaler Gemeinden und anderer Interessengruppen umfassen. Darüber hinaus sei es notwendig, die Interessen aller interessierten Parteien, einschließlich der Einwohner Kasachstans, zu berücksichtigen, meint er.

Zusammenarbeit als Chance

Angesichts der Bedeutung des Ural für das ökologische und sozioökonomische Wohlergehen der Region ist es notwendig, einen ausgewogenen Ansatz für die Entwicklung und Nutzung der Ressourcen des Flusses unter Berücksichtigung der ökologischen Nachhaltigkeit und des Naturschutzes sicherzustellen. Zusammenarbeit ist eine Chance.

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