Warum kauft Kasachstan plötzlich so viele Waschmaschinen?

Warum importiert Kasachstan – Russlands Nachbar – inzwischen viel mehr Waschmaschinen als noch vor Beginn des Ukraine-Kriegs? Ein Bericht legt mögliche Sanktionsumgehungen nahe.

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Kasachstan importiert derzeit offenbar massiv mehr Waschmaschinen als bislang: „2022 führte das Land allein aus der EU 4,4 Mal mehr Geräte ein als im Jahr davor“, berichtet das ZDF. Was aber hat es damit auf sich? Wofür braucht das zentralasiatische Land so viele Waschmaschinen?

Kasachstan ist direkter Nachbar Russlands. Deshalb liegt nahe, dass in Kasachstan nicht einfach mehr gewaschen wird oder mehr Geräte kaputtgehen, sondern dass das Land die Geräte gen Norden weiterverkauft – und damit die Russlandsanktionen der EU umgeht.

Für den ehemaligen deutschen Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch, ist die Sache klar: Die Geräte seien nach Russland gelangt, wo sie zerlegt würden, sagte er nun dem Sender. Denn: Gerade jetzt brauche die russische Rüstungsindustrie die darin verbauten Halbleiter.

Halbleiter sind in Russland Mangelware
Feststeht: Genau diese Materialien sind sowohl in der russischen Militärindustrie als auch im IT-Sektor gerade Mangelware. Denn diese kamen vor Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine in der Regel von großen westlichen Firmen. Die russische Wirtschaft produziert sie nicht selbst und kann die Produktion in vergleichbarer Qualität auch nicht in kurzer Zeit aufnehmen.

Von Fritsch belegt seine Annahme damit, dass Kasachstan im Jahr vor dem Krieg Halbleiter im Wert von 12.000 US-Dollar nach Russland exportiert habe. 2022 seien es 3,7 Millionen Dollar gewesen. Zeitgleich stieg der Import von Waschmaschinen aus der EU um 436 Prozent.

Auch bei Kühl- und Gefrierschränken aus Deutschland zeigte sich ein erheblicher Anstieg: Die Einfuhren hätten sich um 551 Prozent erhöht, berichtet das ZDF weiter.

Kasachischer Botschafter reagiert deutlich
Der kasachische Botschafter reagierte beim ZDF deutlich: Kasachstan halte die Sanktionen gegen Russland ein, sagte Nurlan Onschanow. Er relativierte die Zahlen: Im Kriegsjahr 2022 habe Kasachstan in absoluten Zahlen knapp 10.000 Waschmaschinen aus der EU eingeführt. Das mache weniger als ein Prozent des kasachischen Marktes aus. Trotzdem wolle er die Zahlen mit den europäischen Partnern analysieren lassen. Klar sei, sagte er weiter, dass Kasachstan als Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion eng wirtschaftlich mit Russland zusammenarbeite.

Für Deutschland belegt Kasachstan nach eigenen Angaben den 53. Platz der wichtigsten Handelspartner. Das Land sei wichtigster Partner im zentralasiatischen Raum, heißt es auf der Internetseite der Botschaft in Deutschland. Das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2020 betrug 80 Prozent des Gesamtvolumens des Außenhandels Deutschlands mit den zentralasiatischen Ländern.

Sanktionsumgehungen kein Geheimnis
Mögliche Sanktionsumgehungen seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sind kein Geheimnis mehr und auch der Bundesregierung bekannt. „Es gibt etliche Umgehungen der Sanktionen“, räumte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Anfang März ein.

Denn das Problem ist: Deutschland und andere EU-Staaten liefern weiter Produkte an Länder, die nicht direkt am Krieg beteiligt sind, aber mit Kriegstreiber Russland Geschäfte machen und die Sanktionen gegen Russland zum Teil nicht mittragen, etwa Armenien oder China. Die deutsche Regierung muss zuschauen – und kann nur Appelle an Partnerländer richten.

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